
Alien-Angriffe und mörderische Androiden
lle Comic-Fans und Wissenschafts-Nerds aufgepasst. Kann sich noch jemand an die Comicbücher „Weird Science“ erinnern? Wahrscheinlich eher nicht. Denn als diese Reihe Anfang der 1950er Jahre den Buchmarkt aufmischte, waren die wenigsten von uns geboren. Jetzt erlebt „Weird Science“ eine Renaissance. Wer auf unheimliche, seltsame und fantastische Science-Fiction-Abenteuer steht, der sollte sich das neu aufgelegte gleichnamige Kompendium des TASCHEN-Verlags zu Gemüte führen.
Bill Gaines und Al Feldstein waren angefixt. Inspiriert von den Pulp-Science-Fiction-Geschichten und der schrägen Fantasy-Literatur ihrer Jugend entwarfen die beiden Anfang der 1950er Jahre die ersten Ausgaben von „Weird Science“. Inspiriert wurden sie von den Pulp-Science-Fiction-Geschichten und der schrägen Fantasy-Literatur ihrer Jugend. Die beiden entwickelten Geschichten, Kreaturen und Welten, die es in dieser Form noch nie gegeben hatte. „Weird Science“ sollte das erste echte Science-Fiction-Magazin werden, das regelmäßig erschien. Gaines war der Herausgeber, Feldstein der kreative Kopf hinter den Zeichnungen.
Auch wenn die Kultpublikation mittlerweile 75 Jahre auf dem Buckel hat, haben die Zeichnungen nichts von ihrer Strahlkraft verloren. Ganz im Gegenteil. Schaut man sich heute die Geschichten über irre Wissenschaftler und Außerirdische im neu erschienenen Sammelband des TASCHEN-Verlags an, dann versprechen sie durchaus einige spannende und kurzweilige Momente während der Lektüre. Manche Idee, die damals pure Science-Fiction war, ist durchaus heute leider nicht mehr so abwegig. Comic-Nostalgie inbegriffen.
Die erste Ausgabe von „Weird Science“ erschien an den Zeitungsständen im Frühjahr 1950.
Die erste Ausgabe von „Weird Science“ erschien an den Zeitungsständen im Frühjahr 1950. Die darauffolgenden zweimonatlichen Veröffentlichungen entführten die Leser in ein sich ständig wandelndes Kaleidoskop von verrückten Wissenschaftsgeschichten mit starkem Einschlag zu Horrorszenarien. Darin enthalten: Mars-Invasionen, mörderischen Androiden, gescheiterten Zeitreisen, Planeten, die ausschließlich von Frauen bewohnt werden, und vieles mehr. So ging das über vier Jahre. Der Comic erschien in 22 Ausgaben und endete mit der November-Dezember-Ausgabe 1953.
Die großformatige Neuauflage des TASCHEN-Verlags beinhaltet nun die ersten elf Ausgaben dieser Comic-Serie. Wer den riesigen Schmöker aufschlägt, findet sich wieder in bizarren Welten. Gleich die erste Geschichte empfängt den Leser mit einer verrückten Laborsituation: Karl und sein Kollege Professor Einstadt arbeiten an einer Chemikalie, die Ratten schrumpfen lässt. Natürlich kommt es zu einem Unfall. Karl selbst wird immer kleiner und bewegt sich schließlich in einem Mikrokosmos.
Und so geht es munter weiter über die mehr als 450 Seiten des Buches. Da springen dem Leser unzählige Aliens entgegen, immer wieder kommt es zu atomaren Zwischenfällen – die Angst davor war damals großes Thema. Ganz zu schweigen von den üblen Gestalten, die ganze Welten zerstören wollen. Es herrscht Ramba-Zamba auf jeder Seite.
Wer davon eine Verschnaufpause benötigt, der sollte das Buch aus bibliophiler Sicht betrachten. Denn da hat „Weird Science“ durchaus einiges zu bieten. Anstatt die kunstvollen Zeichnungen neu zu kolorieren, wurden für diesen Band hochauflösende Fotografien jeder einzelnen Seite erstellt. Um Probleme mit dem billigen, unvollkommenen Druck der damaligen Zeit zu korrigieren, wurden modernste Retuschetechniken eingesetzt. Das Ergebnis ist ein makelloses Produkt, das den Charakter und das Gefühl der klassischen Pulp-Comic-Magazine bewahrt, aber frisch auf einem High-Drucker entsprungen ist.
„Weird Science“ ist sicher für eine ganz spezielle Leserschaft gemacht. Für diese geballte Lektüre benötigt man Durchhaltevermögen und wahrscheinlich ein gewisses Maß an Wahnsinn. Auch wenn man glaubt, letzteres eher nicht zu besitzen, lohnt sich der vorsichtige Blick in dieses Kunstwerk. Denn das Buch erzählt ganz nebenbei viel über den Zeitgeist der 1950er Jahre.
Buch:
Grant Geissman
EC Comics Library. Weird Science. Vol. 1
Hardcover, 462 Seiten
TASCHEN Verlag Köln
ISBN 978-3-38653-9733-3 (auf Englisch)
Euro 150